 |
Heutzutage präsentieren sich nicht mehr nur Firmen im Internet sondern immer mehr Privatleute. Begriffe wie Foren und BLOGs geistern durch die Welt und keiner versteht mehr so richtig die Extrovertiertheit der Infizierten und dennoch erfreuen sich diese Seiten immer größerer Beliebtheit. Da werden gegenseitig Einträge in Gästebücher vorgenommen, das Seitendesign kritisiert, als ob niemand mehr einer geregelten Arbeit nachginge, um seine Brötchen zu verdienen. Alles online, alles live und in Farbe. Doch auch die Städte, Kommunen und Kirchen präsentieren sich immer mehr dem virtuellen Touristen und bieten von der Autoanmeldung über die Stadtrundfahrt und dem Museumsbesuch bis hin zum Termin für die nächste Zirkusveranstaltung eigentlich alles was der Surfer braucht oder auch nicht. Er kann ja wegklicken, wenn die Werbepause im Fernsehen vorbei ist. Vielfach wird versucht, das Angebot mit Werbung auf diesen Seiten zu finanzieren. Teilweise derart pervers, dass sich vor lauter Pillenangeboten der Inhalt verliert. Man ignoriert, resigniert, verliert. Man kann bei der Masse der Angebote kaum glauben, dass es da noch Lücken geben könnte, die nicht im Internet zu finden seien. Es wird gesucht, es wird recherchiert, es wird bestellt und diffamiert - alles im grossen anonymen Internet. Die Scheibe dreht sich schneller und immer schneller. Selbst Kindergärten findet man nun im Internet - wozu das ? Nun, es gibt tatsächlich Eltern, die es interessiert, was da so alles im Kindergarten mit den Kurzen unternommen wird. Früher unterhielt man sich noch an der Tür oder besuchte den Elternabend - mindestens viermal im Jahr. Heute werden Finanzen gestrichen, sodass diese Kommunikationslücke anderweitig aufgefüllt werden muss. Meist mit Privatengagement der Verantwortlichen und mit wohlwollender Billigung der Trägerschaft.
Mal etwas ganz anderes - in dieser sich immer schneller drehenden Welt. Kein BLOG, kein Beamtentum, keine wissenschaftliche Abhandlung : einfach nur das pure Leben. Ähnliche Wege gehen nun auch die kleine Ortschaften, wie beispielsweise Soßmar in der Gemeinde Hohenhameln inmitten Niedersachsens, welche so klein ist, dass die Rübenlaster in der dunklen Jahreszeit nicht einmal die Zeit zum Bremsen haben und daher einfach so hindurchdonnern. So klein, dass die Poststelle zugemacht hat, dass die frischen Brötchen nicht mehr beim hiesigen Bäcker zu kaufen sind, so klein, dass selbst die Kirchengemeinde kein Geld für die uralte Holzkirche aufbringen kann. Aber im Herzen so groß, dass es Menschen gibt, die sich anstrengen, das kleine Dorf bekannter zu machen. Da gibt es eine Zuckerfabrik, die in Millionen Haushalte das köstliche Süß liefert, was auch Soßmarer Hände schufen, da läd der andere beispielsweise zwei Weltklassepianisten ein und schickt sie von Soßmar aus auf eine nie dagewesene Deutschlandtournee, da läßt ein Dritter Ansichtskarten drucken, um der Kirche zu helfen und wieder jemand, der dies alles an die große Glocke hängt. Dass dieses Konzept aufzugehen scheint, zeigt die Tatsache, dass sich Menschen nun nach einem halben Jahrhundert endlich wiederfinden. Es ist nun einmal einfacher, im Internet zu suchen. Stellt man sich geschickt genug an oder ist eine deutliche Spur der "gesuchten Person" im Internet zu finden, läßt sich von jedem Ort der Welt aus über Chats, Gästebücher oder BLOGs Kontakt herstellen. Und das selbst dann, wenn - wie in diesem Beispiel - nur der Ort bekannt ist. Fazit: Es ist - wie im Großstadtdschungel - wichtig, zu wissen was man braucht - aus dem riesig großen Angebot "Internet". Es ist Lug und Betrug unterwegs, aber nicht nur. Eine kleine Untermenge des Angebots ist tatsächlich brauchbar und allein aus dieser Tatsache sollte es niemandem vorenthalten werden. Wie die Tageszeitung, der Weltempfänger oder der Kaffeeplausch im Eiscafé um die Ecke. Nur hilft hier leider nicht der "Internet-Filter", die Spreu vom Weizen zu trennen sondern eher wacher und gesunder Menschenverstand.
|  |